Vom Bildschirm ans Brett: So kommen Sie zu Ihrem ersten Turnier
Verein, Wertungszahl, Bedenkzeit – was man wissen muss, bevor man zum ersten Mal einer echten Uhr gegenübersitzt
Wie man einen Verein findet, wann man die erste Elo-Zahl bekommt und was am Turnierbrett anders ist als online. Ein Leitfaden für Österreich, Deutschland und die Schweiz.

Wer online Schach spielt, spielt meist schnell, oft und gegen Unbekannte. Am Turnierbrett ist es umgekehrt: eine Partie, mehrere Stunden, ein Gegenüber mit Gesicht. Der Schritt dorthin ist kleiner, als viele denken. Ein paar Dinge sollte man aber vorher wissen.
Erst der Verein
Der übliche Weg ins Turnierschach führt über einen Verein. Die Vereine sind in nationalen Verbänden organisiert: dem Österreichischen Schachbund, dem Deutschen Schachbund und dem Schweizerischen Schachbund. Dort und bei den Landesverbänden erfährt man, welche Vereine es in der Nähe gibt.
Der Verein ist dabei mehr als eine Formalität. Für eine Wertungszahl des Weltschachbunds FIDE muss man über einen nationalen Verband gemeldet sein. Und wer zum ersten Mal ein Turnier spielt, ist froh über jemanden, der erklärt, wo man die Uhr drückt und wann man den Partiezettel abgibt.
Elo, DWZ und die erste Zahl
Die bekannteste Wertungszahl ist die Elo-Zahl der FIDE. Sie wird monatlich neu berechnet, jeweils zum Ersten des Monats. Wer noch keine hat, bekommt sie, sobald er mindestens fünf gewertete Partien gegen Gegner mit Elo-Zahl gespielt hat. Das muss nicht in einem einzigen Turnier geschehen: Ergebnisse aus aufeinanderfolgenden Zeiträumen von bis zu 26 Monaten werden zusammengezählt. Ein Turnier, in dem man ganz ohne Punkt bleibt, zählt als erstes Turnier nicht.
Seit März 2024 gelten dabei neue Regeln. In die erste Berechnung gehen zusätzlich zwei gedachte Gegner mit 1800 ein, gegen die man jeweils remis gespielt hat. Höher als 2200 kann die erste Zahl nicht ausfallen. Und die niedrigste Elo-Zahl liegt seither bei 1400, nicht mehr bei 1000. Wer darunter fällt, wird auf der nächsten Liste ohne Zahl geführt.
In Deutschland gibt es daneben die Deutsche Wertungszahl, kurz DWZ, die der Deutsche Schachbund seit Anfang der Neunzigerjahre führt. Sie ist mit der Elo-Zahl vergleichbar, wird aber eigenständig berechnet und weiterentwickelt. Eine erste DWZ gibt es nach mindestens fünf Partien, die weder alle gewonnen noch alle verloren sein dürfen.
Schnell, langsam, Blitz
Die Bedenkzeit ist der größte Unterschied zum Onlineschach. Für Elo gewertete Turnierpartien schreibt die FIDE eine Mindestzeit vor. Sind beide Spieler unter 1800, muss jeder mindestens 60 Minuten für eine Partie von 60 Zügen haben; ist einer von beiden 1800 oder stärker, sind es 90 Minuten, ab 2400 sind es 120.

Daneben gibt es Schnellschach und Blitz mit eigenen Wertungen. Schnellschach heißt bei der FIDE jede Partie mit mehr als 10 und weniger als 60 Minuten pro Spieler, Blitz jede Partie mit höchstens 10 Minuten. Ein Zeitzuschlag pro Zug wird dabei mit 60 Zügen hochgerechnet: Eine Partie mit 3 Minuten plus 2 Sekunden pro Zug zählt also als 5-Minuten-Partie und damit als Blitz.
Ein guter Einstieg ist oft ein Schnellschachturnier an einem einzigen Tag: kurz genug, um nicht den ganzen Sonntag zu opfern, lang genug, um über einen Zug wirklich nachzudenken.
Was am Brett anders ist
Die Regeln sind dieselben, die Gewohnheiten nicht. Ein paar Dinge, die Neulinge regelmäßig überraschen:
- Berührt ist geführt. Wer eine eigene Figur absichtlich berührt, muss mit ihr ziehen, sofern das regelgerecht möglich ist. Wer eine Figur nur zurechtrücken will, kündigt das vorher an.
- Mitschreiben. In Partien mit langer Bedenkzeit notiert jeder Spieler die Züge auf einem Partieformular. Das ist Pflicht, keine Höflichkeit.
- Das Telefon bleibt draußen. Ein Mobiltelefon im Spielbereich kann den Verlust der Partie bedeuten. Ausgeschaltet in der Tasche ist nicht automatisch erlaubt; im Zweifel fragt man die Turnierleitung.
- Remis bietet man am eigenen Zug an. Man zieht, bietet an und drückt dann die Uhr.
Die verbindliche Fassung steht in den Schachregeln der FIDE. Für die ersten Turniere genügt es meist, diese Punkte zu kennen und bei Unklarheiten den Schiedsrichter zu fragen, statt mit dem Gegner zu diskutieren.
Welche Eröffnung?
Die eine richtige gibt es nicht. Hilfreich ist für den Anfang eine Eröffnung mit klaren Plänen statt vieler Varianten. Mit Weiß eignet sich dafür etwa das Londoner System, das gegen fast alles mit demselben Aufbau auskommt, oder die Italienische Partie, deren Ideen sich schnell erschließen.
Und wer sehen will, wie das alles auf höchstem Niveau aussieht, findet auf unserer Turnierseite Tabellen und kommentierte Partien.
Quellen
FIDE, Rating Regulations ab 1. März 2024 (erste Elo-Zahl, Mindestbedenkzeiten, Untergrenze 1400) und Bekanntmachung der neuen Regeln; FIDE, Laws of Chess (Definitionen von Schnellschach und Blitz); Wikipedia, „Deutsche Wertungszahl”.


